Über uns

Aller Anfang ist schwer! Der Weg hierher war nicht immer einfach für uns und begann mit einer kleinen Gruppe engagiert denkender KollegInnen des UK Tulln.

2017 gab es erste Treffen im Rahmen einer Arbeitsgruppe zum Aufbau einer eigenen Opferschutzgruppe, nachdem die Kinderschutzgruppe mit eigenen Fällen gut ausgelastet war und die Agenden des Erwachsenenschutzes nicht mehr abdecken konnte. 
Nach internen Fortbildungen, Weiterbildungen einzelner Gruppenmitglieder, intensiven Sitzungen und viel Engagement auf unterschiedlichen Ebenen wurden 2019 die Mitglieder der Opferschutzgruppe entsprechend dem Krankenanstaltengesetz seitens der Ärztlichen Direktion offiziell ernannt und setzen sich seitdem für die Betroffenen ein. 

Neben dem Opferschutz im Krankenhaus stellen die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Vernetzung mit KollegInnen und Institutionen niederösterreich- und österreichweit ein großes Anliegen dar und werden intensiv verfolgt. 

Was zeichnet uns aus?

Wir sind mehr als ein nur ein paar ExpertInnen: in unserem Team arbeiten kluge Köpfe aus unterschiedlichen Disziplinen auf Augenhöhe zusammen. Gemeinsam stecken wir viel Freude,  Leidenschaft und Engagement in unsere Projekte. Von großer Bedeutung ist dabei der Rückhalt durch die Kollegiale Führung des Klinikums, die unsere Visionen mitträgt und deren Umsetzung erst ermöglicht. 

Zum Hintergrund

Im Weltbericht Gewalt und Gesundheit (2003) beschreibt die WHO unterschiedlichste Formen von Gewalt als das am weltweit größte Gesundheitsrisiko. Bereits seit dem Inkrafttreten der Novellierung des NÖ Krankenanstaltengesetzes 2012 sind die NÖ Landes- und Universitätskliniken verpflichtet, eine Opferschutz- bzw. Kinderschutzgruppe zu etablieren. Diese Maßnahmen wurden durch das Inkrafttreten der sogenannten Istanbul-Konvention am 1. August 2014 nochmal seitens der Bundesregierung untermauert. Dieses „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ gilt als das derzeit wichtigste Rechtsinstrument gegen Gewalt an Frauen in Europa - sie schafft verbindliche Rechtsnormen gegen Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt. 2016 wurde Österreich gemeinsam mit Monaco als erstes Land vom GREVIO-Komitee (Group of Experts on Action against Violence against Women and Domestic Violence) evaluiert. Im Fokus standen Maßnahmen zur Implementierung und tatsächlichen Umsetzung der Istanbul-Konvention. Besonders im Bereich des Gesundheitswesens wurden hier Defizite aufgezeigt, was insofern als schwerwiegend für Betroffene zu werten ist, da insbesondere das Gesundheitswesen einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung und Frühintervention leisten kann und eine wichtige Schnittstelle zu externen Beratungsstellen und der Exekutive darstellt.
In erster Linie sind Frauen von Gewalt betroffen (in etwa 85%-90%), davon nehmen rund 75% unter anderem in den Bereichen der (Unfall)Chirurgie, Gynäkologie, Psychosomatik, Psychiatrie und bei niedergelassenen ÄrztInnen medizinische Hilfe in Anspruch, weil sie körperliche Verletzungen haben und/oder die psychischen (Langzeit-)Folgen der erlebten Gewalt nicht mehr bewältigen können. Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass MitarbeiterInnen des gesamten Gesundheitswesens häufig die ersten ProfessionistInnen sind, die bei der Erkennung von Gewalt, der Organisation von Hilfestellung und der Prävention weiterer Gewalt eine zentrale Rolle spielen.
Durch die Etablierung der Kinder- und Opferschutzgruppen in den NÖ Landes- und Universitätskliniken sollen einerseits die MitarbeiterInnen Unterstützung bei der Umsetzung dieser Aufgabe bekommen. Andererseits soll auch den Opfern von - meist häuslicher - Gewalt besondere Hilfe und Unterstützung in ihrer Situation angeboten werden.
Die Opferschutzgruppen widmen sich dabei neben der speziellen medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Behandlung und Versorgung von Gewaltopfern auch der besonderen psychischen Situation. Im Spital beginnt bereits die Koordination und Zusammenarbeit mit externen - also nicht im Krankenhaus verorteten - Beratungs- und Unterstützungsstellen. Aufgabe der Opferschutzgruppe ist es, die betreuenden MitarbeiterInnen zu beraten, die Berufsgruppen zu sensibilisieren, Informationsmaterial bereitzustellen, interne Handlungsabläufe zu gestalten und in internen Schulungen die KollegInnen darüber zu informieren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vernetzung mit externen Diensten. Hier haben bereits erste Vernetzungsgespräche mit der Tullner Bezirkspolizei stattgefunden. Die Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Bezirkshauptmannschaft und ambulanten Beratungsstellen ist geplant.
Die bereits seit Jahren etablierte Kinderschutzgruppe des UK Tulln tagt an jedem zweiten Mittwoch im Monat von 10.30 bis 12.00. Da die zu bearbeitenden Themen und Fälle die Kapazitäten überschritten, wurde es nötig eine eigene Opferschutzgruppe für Erwachsene zu implementieren. Diese tagt jeden ersten Montag im Monat von 12.00 bis 13.30. 
Diese Zeit wird genutzt, um komplexe Fälle sowie die Umsetzung der Aufgaben in unserem Haus zu besprechen und interne Fortbildungen und Handlungsleitfäden zu planen. Bei Bedarf findet eine Vernetzung zwischen Kinder- und Opferschutzgruppe statt. 

Bereits Ende 2018/Anfang 2019 wurden die Aufgaben und Tätigkeitsbereiche der Opferschutzgruppe in zwei Ärztefortbildungen vorgestellt. Im Herbst 2019 folgte eine weitere interdisziplinäre Fortbildung für psychiatrische MitarbeiterInnen. 2020 sind eintägige Schulungen zum Thema „Umgang mit Opfern von Gewalt – Theorie und Praxis“ in einem interdisziplinären Setting für MitarbeiterInnen unseres Hauses geplant.